Die psychiatrische Nachversorgung umfasst alle Angebote, die Patient:innen nach einem stationären oder teilstationären Aufenthalt in der Psychiatrie stabilisieren und bei der Rückkehr in den Alltag begleiten.
Ziele der Nachversorgung
Stabilisierung des Gesundheitszustands
Vermeidung von Rückfällen
Förderung der Selbstständigkeit
Soziale Reintegration (Arbeit, Wohnen, Beziehungen)
Notiz: Die Nachversorgung beginnt idealerweise schon während des stationären Aufenthalts und wird individuell auf die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Patient:innen abgestimmt.
Ambulante Angebote
Ambulant betreutes Einzelwohnen (BEW): stundenweise Begleitung in der eigenen Wohnung (z. B. Haushalt, Finanzen, Behördengänge, soziale Kontakte); fördert die Selbstständigkeit und vermeidet eine Heimunterbringung.
Ambulant betreute Wohngemeinschaft (ABW): selbstbestimmte Wohnform für 3–12 Personen mit eigenen Zimmern, gemeinsamen Räumen und ambulanter Pflege nach individuellem Bedarf.
Ambulante psychiatrische Pflege (APP): aufsuchendes Pflegeangebot zu Hause – Hausbesuche durch Pflegefachkräfte, Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme, Hilfe bei der Alltagsstruktur, Krisenfrüherkennung und Psychoedukation.
Soziotherapie: befähigt Patient:innen, medizinische und therapeutische Angebote eigenständig wahrzunehmen (Alltagsstrukturierung, Begleitung zu Terminen, Training des Krankheitsverständnisses); besonders wichtig bei eingeschränkter Krankheitseinsicht.
Stationsäquivalente Behandlung zu Hause (StäB): intensives, aufsuchendes Angebot als Ersatz für eine vollstationäre Aufnahme; ein multiprofessionelles Team (Ärzt:innen, Pflege, Therapie) behandelt täglich im gewohnten Umfeld.
Ambulante psychiatrische Rehabilitation (APR): intensive, tagesklinische Maßnahme mit interdisziplinären Therapien (Psychotherapie, Ergotherapie, Gruppen); die Abende verbringen die Patient:innen zu Hause.
Notiz: Die ambulante psychiatrische Pflege (APP) wird häufig ärztlich verordnet und durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert.
Teilstationäre Angebote
Psychiatrische Tagesklinik: tagsüber intensives therapeutisches Programm, Abende und Wochenenden im häuslichen Umfeld; geeignet bei stabiler Wohnsituation (häufig bei Depression, Angst und Burnout).
Gerontopsychiatrische Tagesklinik: spezialisiertes Angebot für Patient:innen ab ca. 60–65 Jahren (z. B. Demenz, altersbedingte Depression, Delir).
Tagesstätte: niedrigschwelliges Angebot mit Struktur, sozialer Teilhabe und Beschäftigung in einem geschützten Rahmen.
Betreute Wohnformen und stationäre Angebote
Besondere Wohnform für Menschen mit psychischen Erkrankungen: stationäres oder teilstationäres Angebot der Eingliederungshilfe mit Alltagsassistenz und Begleitung.
Besondere Wohnform für Menschen mit Suchterkrankungen: strukturierter Wohnrahmen mit therapeutischer Begleitung, Rückfallprophylaxe und Tagesstrukturierung (oft rund um die Uhr).
Stationäre psychiatrische Rehabilitation: meist mehrwöchige Maßnahme (ca. 3–6 Wochen); kombiniert intensive Psychotherapie mit Sport-, Kreativ- und Sozialtherapie.
Medizinisch-berufliche Rehabilitation (MBR): verzahnt die gesundheitliche Behandlung mit der beruflichen Wiedereingliederung; für Personen, deren Arbeitsfähigkeit gefährdet ist.
Stationäre Kurzzeitpflege (KZP): zeitlich begrenztes, vollstationäres Angebot zur Überbrückung von Krisen oder zur Entlastung pflegender Angehöriger.
Leistungen psychiatrischer Einrichtungen
Je nach Einrichtung und Versorgungsform können folgende Leistungen erbracht werden:
Psychiatrische Versorgung: medizinische, psychotherapeutische und soziale Betreuung bei psychischen Erkrankungen.
Grundpflege (SGB XI): Unterstützung bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität (ab Pflegegrad 1).
Behandlungspflege (SGB V): ärztlich verordnete medizinische Leistungen, finanziert durch die Krankenkasse.
Eingliederungshilfe: Sozialleistung zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe.
Demenzbetreuung: Begleitung und Förderung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
Betreuung: aktivierende und begleitende Maßnahmen im Alltag.
FAQs
Was ist der Unterschied zwischen ambulanter psychiatrischer Pflege (APP) und Soziotherapie?
Die APP ist ein Pflegeangebot im häuslichen Umfeld mit Maßnahmen wie Medikamentengabe, Krisenfrüherkennung und Alltagsstrukturierung. Die Soziotherapie befähigt Patient:innen, medizinische und therapeutische Angebote eigenständig wahrzunehmen (z. B. Begleitung zu Terminen, Training des Krankheitsverständnisses) – besonders sinnvoll bei eingeschränkter Krankheitseinsicht.
Was ist der Unterschied zwischen Tagesklinik und Tagesstätte?
Die psychiatrische Tagesklinik ist eine medizinische Einrichtung mit intensivem Therapieprogramm (Arzt, Pflege, Therapie) und wird von der Krankenkasse finanziert. Die Tagesstätte ist ein niedrigschwelliges, sozialpsychiatrisches Tagesangebot für Struktur, soziale Kontakte und Beschäftigung – ohne den medizinischen Behandlungscharakter einer Tagesklinik.
Was ist die stationsäquivalente Behandlung (StäB) und für wen ist sie geeignet?
Die StäB ist ein aufsuchendes Angebot, das eine vollstationäre Krankenhausaufnahme ersetzen kann. Sie richtet sich an Patient:innen mit akutem Behandlungsbedarf, die von einem multiprofessionellen Team täglich zu Hause behandelt werden – geeignet bei stabilem häuslichem Umfeld, wenn eine stationäre Aufnahme vermieden werden soll.
Welche Angebote gibt es speziell für ältere psychiatrische Patient:innen?
Für ältere Patient:innen (meist ab 65 Jahren) gibt es spezialisierte Angebote wie die gerontopsychiatrische Tagesklinik für die teilstationäre Behandlung. Typische Erkrankungen sind Demenz, altersbedingte Depression und Delir.
Wer finanziert die ambulante psychiatrische Pflege (APP)?
Die APP wird häufig ärztlich verordnet und durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert.
